Thales von Milet (ca. 625 - 545 v. Chr.)
Thales ist einer der ersten griechischen Naturphilosophen. Schriftliche Quellen sind von ihm leider nicht überliefert, die meisten Berichte basieren auf Zusammenfassungen, die 100 - 400 Jahre nach seinem Tod niedergeschrieben wurden.
Anekdoten
Bereits bei den alten Griechen machte man sich über Philosophen lustig. Platon erzählt folgende Anekdote über Thales (Theaiteos 174a):
"Gerade so, Theodoros, wo man erzählt, dass auch Thales astronomische Beobachtungen anstellte und nach oben schaute; und als er dann in einen Brunnen fiel, soll eine witzige und reizende thrakische Magd ihn verspottet haben , dass er begierig sei, die Dinge am Himmel kennenzulernen, aber keine Ahnung von dem habe, was hinter ihm sei und zu seinen Füßen liege" [Kirk et. al. 2001, S. 88].
Dass weise Männer durchaus einen ausgeprägten Realitätssinn besitzen, wenn sie wollen, zeigt folgende Quelle (Aristoteles Pol. A11, 1259a9:
"Als man ihm nämlich wegen seiner Armut Vorhaltungen machte, als ob die Philosophie zu nichts nütze sei, da soll er, nachdem er aufgrund seiner astronomischen Studien bemerkt hatte, dass die Olivenernte reichlich ausfallen würde, noch im Winter mit dem wenigen Geld, das ihm zur Verfügung stand, als Handgeld sämtliche Ölpressen in Milet und Chios für einen geringen Preis gemietet haben, und dabei hat ihn niemand überboten. Als aber die Zeit [der Ernte] kam und mit einem Mal und gleichzeitig viele Ölpressen verlangt wurden, da habe er seine Pressen so teuer vermietet, wie er nur wollte, und dadurch viel Geld verdient; auf diese Weise habe er demonstriert, dass es für Philosophen ein leichtes sei, reich zu werden, wenn sie dies nur wollten, dass das aber nicht das Ziel ihrer Bestrebungen sei" [ebd. S. 88f].
Astronomische Arbeiten
Drei Generationen nach Thales wird unter anderem von Heredot, Diogenes oder Derkylides behauptet, dass Thales die Sonnenfinsternis von 585 v. Chr. vorhergesagt hat. Weiterhin wird ihm nachgesagt, dass er Sternbilder vermessen habe und seine Erkenntnisse als Navigationshilfe in "Sternkunde für Seefahrer" niedergeschrieben habe.
Mathematische Arbeiten
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Jeder Schüler lernt heute den Satz des Thales, der vermutlich tatsächlich auf den ionischen Denker zurückgeht: "Liegt eine Seite eines Dreiecks auf dem Durchmesser des Umkreises (Stecke AB in der Abbildung), so ist der dieser Seite gegenüber liegende Winkel ein rechter Winkel."

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Weiterhin schreibt man dem Mileter laut Eudemos (Proklos in Eucidem I, 26) den 2. Kongruenzsatz zu: "Sind bei zwei Dreiecken je eine Seite und ein an ihr anliegender Winkel gleich, so sind sie einander gleich".

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Thales, sagt Hieronymos nach Diogenes Laertius I, 27, soll die Höhe der Pyramiden anhand ihres Schattens vermessen haben. Hierzu benötigte er einen Stahlensatz, der eine Berechnung anhand eines Referenzschattens ermöglicht.

Wasser als Urstoff
Der erste Naturphilosoph, Thales von Milet (ca. 624 - 546 v. Chr.) glaubte, dass Wasser das erste Element darstellt. Seine Annahme passt zum damaligen Weltbild, "nachdem die Erde als eine vom Ozean umgebene Insel angesehen wurde" [Schöndorfer 1954, S. 14]. Leider gibt es von Thales keine überlieferte schriftliche Quelle. Seine Kosmologie wurde von Aristoteles in zwei Textstellen zusammengefasst:
- Aristoteles de caelo, B13, 294a28
"Andere sagen, die Erde liege auf Wasser. Denn das ist die älteste Theorie, die uns überliefert ist; Thales von Milet soll sie vertreten haben, in der Annahme, dass die Erde dehalb ruhe, weil sie schwimmfähig sei, ähnlich wie ein Stück Holz oder etwas anderes von dieser Art (auch davon kann nämlich nichts auf Luft ruhen, wohl aber auf Wasser) - so als ob nicht dasselbe Argument wie für die Erde auch für das Wasser gelten würde, die die Erde trägt." [Kirk et. al. 2001, S. 98]
- Aristoteles Met. A3, 983b6:
"[...]Vielmehr erklärt Thales, der Urheber dieser Art von Philosophie, es sei das Wasser (daher behauptete er auch, die Erde ruhe auf Wasser), und kommt zu dieser Vermutung vielleicht, weil er sah, dass die Nahrung aller Dinge feucht ist und dass das Warme selbst aus dem Feuchten entsteht und durch es lebt (das aber, woraus alles wird, ist das Prinzip von allem); dadurch also kommt er zu seiner Vermutung und dadurch, dass die Samen aller Dinge von feuchter Natur sind; das Wasser aber ist für alles Feuchte das Prinzip seiner Natur" [ebd. S. 98].