Heraklit von Ephesus (ca. 536 - 470 v. Chr.)
Heraklit stammt wahrscheinlich aus einer alten aristokratischen Familie von Ephesos. Sein später postuliertes Buch "Über die Natur" ist fraglich, vermutlich wurden lediglich seine Seinssprüche von Anhängern notiert.
Heraklit wird von Kritikern wie beispielsweiseTimon von Philius als einer bezeichnet, "der rätselhaftes spricht" (Diog. L. IX,6 nach Kirk et. al. 2001, S. 200); er galt als schwieriger, menschenfeindlicher Charakter. Seine oftmals nebulösen Rätsel und die unsichere Quellenlage haben wohl gleichermaßen dazu geführt, dass man dem Philosophen den Beinamen "der Dunkle" gegeben hat.
Das Zitat "Nichts ist beständig außer dem Wandel" wird Heraklit heute gerne zugeschrieben. Er war anscheinend der Überzeugung, dass "alles in Fluss ist" [ebd., S. 203]. Ständige Veränderung, ausgelöst durch Gegensätze, machen ihmzufolge die Welt aus.
Feuer als Urstoff
Frgm. 30, Clemens Strom. V, 104, 2: "Die Weltordnung [...] [sei] ein ewiglebendes Feuer, dass nach Maßen entflammt und nach Maßen verlöscht" [ebd. S. 216].
Frgm. 90, Plutarch de E 8, 388e: "Alles ist austauschbar gegen Feuer und Feuer gegen alles, ebenso wie Waren gegen Gold sind und Gold gegen Waren" [ebd. S. 217].
Diese Zitate veranlassen einige Autoren anzunehmen, dass Heraklit der Auffassung war, dass Feuer das Grundelement sei. Liest man jedoch weiter, erkennt man, dass dies nicht der Fall sein kann:
Frgm. 31, Clemens Strom. V, 105, 3-5: "Die Welt ist ewig lebendiges Feuer. Teile davon werden immer gelöscht, um die beiden anderen Hauptmassen der Welt zu bilden, Meer und Erde. Veränderungen zwischen Feuer, Meer und Erde halten sich gegenseitig im Gleichgewicht. Reines oder ätherisches Feuer besitzt eine Fähigkeit zur Lenkung. Wendungen des Feuers: zuerst das Meer, vom Meer aber die eine Hälfte Erde, die andere Hälfte Gluthauch [d.i. Feuer] ... Erde löst sich auf in Meer und wird so bemessen, dass sich dasselbe Verhältnis wie das ergibt, welches galt, bevor Erde entstand." [ebd. S. 216f].
Feuer hat zwar eine dominante Stellung und dient als Motor für dauerhafte und kontinuierliche Veränderungsprozesse. Aber es steht mit anderen Kräften im Gleichgewicht und kann demnach nicht alleine existieren. Im Grunde genommen nimmt Heraklit an dieser Stelle Überlegungen zum chemischen Gleichgewicht und das Gesetz zur Erhaltung der Masse vorweg.