Demokrit von Abdera (ca. 460 - 370 v.Chr.)
Demokrit von Abdera (ca. 460 - 370 v.Chr.) besaß im hellenistischen Raum eine so große Reputation, dass unter seinem Namen u.a. von Boles von Mendes (ca. 250 - 150 v. Chr.) sehr viel veröffentlicht wurde. Welche Schriften tatsächlich auf ihn zurückgehen und welche pseudo-demokritisch zu nennen sind, lässt sich heute in letzter Konsequenz nicht sagen.
Demokrit gilt als weitgereister Universalgelehrter. Clemens Alexandinus (ca. 230 n.Chr.) legt ihm folgende Worte in den Mund: "Ich bin unter meinen Zeitgenossen derjenige, der den größten Teil der Erde durchquert hat, indem ich Forschungen der seltsamsten Art betrieb."
Der persische Weise Ostanes wird als Lehrer Demokrits gehandelt. Von den Chladäern erlernte er vielleicht die Astronomie. In Memphis soll er gemeinsam mit einer reicehn Jüdin namens Maria in die Geheimnisse der ägyptischen Mysterien eingeweiht worden sein. Seine Reisen führten ihn möglicherweise an die Grenzen der damals bekannten Welt - nach Indien und Äthiopien.
Demorkit ordnete die Magie in ein naturphilosophisches System, beschäftigte sich mit so vielen Dingen, dass Seneca (4 v.Chr. - 65 n.Chr.) etwa 450 Jahre später erfürchtig schreibt: "Dieser Demokrit war ungemein kunstfertig, denn er erfand die Kunst, Steine zu schmelzen, den Smaragd zu imitieren und in jeder beliebigen Farbe darzustellen. Er wusste das Elfenbein zu erweichen und viele anderen Dinge."
Säfte und Geschmack wurden ebnfalls von ihm untersucht. Gemeinsam mit Leukipp entwickelte er die sogenannte demokritische Atomtheorie.
Demokrit werden folgende Worte zugeschriben:
"Die Natur freut sich der Natur.
Die Natur überwindet die Natur.
Die Natur beherrscht die Natur."
Zu Demokrits und pseudo-Demokrits Werken zählen:
Chirocmeta (Handgriffe, Manipulationen) - laut Plinus ist dies das Hauptwerk von Demokrit, das leider verloren gegangen ist
Physik und Mystika des Demokrit - stammt vermutlich von Boles v. Mendes und beschreibt u.a. Färbetechniken
Peri chymon (Über Säfte) - in diesem Werk versucht Demokrit, den Geschmack der Stoffe auf unterschiedliche Atomformen zurückzuführen
Über Sympathie und Antipathie der Lebewesen, Pflanzen und Steine - eine naturwissenschaftliche Enzyklopädie [Priesner / Figala 1998, S. 121ff; Gebelein 1991, S. 121; ebd., S. 131 ff]